Strategie und Anleitung für Umleitungen im Online-Shop

301, 302, 410 – der Status-Quo hat sich verändert! Ach du meine Güte, was nun?

Onpage-Optimierung für Online-Shops

Folgende Ausgangssituation:

Sie wissen, dass ein bestimmtes Produkt nicht mehr Verfügbar ist (Bestand = 0). Sie sind auch sicher, dass es nicht mehr lieferbar ist, also dass Sie es nicht mehr bekommen werden.
In diesem Fall ergibt es keinen Sinn, das Produkt noch im Online-Shop verfügbar zu halten.

Sie sollten es umleiten bzw. die URL, unter der das Produkt aufrufbar war.

Ausnahme-Situation

Wenn Sie sich hingegen sicher sind, dass das Produkt wieder verfügbar sein wird, haben wir sehr gute Erfahrungen mit Produktbenachrichtigungen gemacht. Hierbei ist es jedoch absolut relevant, wie viel Zeit zwischen dem ersten Ausverkauf und der erneuten Bereitstellung des Produktes liegt. Ist der Zeitraum zu lang, wird auch die Produktenbenachrichtigung allein nicht mehr genügen, um den Kunden zur Konvertierung zu bewegen. Hier greift ein weiterer Tipp: Legen Sie einen Maximal-Zeitraum fest und senden Sie demjenigen, der die Produktverfügbarkeitsbenachrichtigung angefordert hat am letzten Tage des definierten Zeitraums eine Follow-Up Mail. Hier kann ein Rabatt-Code für das Benachrichtigungsprodukt helfen oder ein Alternativprodukt. Ziel muss es sein, dass Sie den Bedarf anheizen.

Strategie-Auswahl

Diese Strategien gilt es nun zu beachten und daraus die passende zu wählen:

  1. das Produkt hat ein Nachfolgeprodukte, ein neues Modell oder Ähnliches -> dann wird darauf umgeleitet
  2. das Produkt gehört zu einer beliebten Kollektion, die in der Bedarfsgruppe bereits verortet ist -> dann wird auf die Kollektion umgeleitet
  3. das Produkt liegt in einer starken Kategorie oder hat keinen Bezug zu Strategie A oder B -> dann leiten Sie es auf die nächst höhere Kategorie um, die die erste Kategorie war, in der das Produkt zugeordnet ist oder jene, die aktuell am passensten erscheint

Beispiele

zu A)
Der Smart TV „Samsung 55ue8090“ ist ausverkauft. Samsung liefert aber den neuen „Samsung hu8090“ aus.
Alte URL: http://www.domain.de/samsung-55ue8090.html
Neue URL: http://www.domain.de/samsung-55hu8090.html

Der Besucher, der auf welchem Weg auch immer an die alte URL gekommen ist, rechnet mit dem Aufruf des gewünschten TV Geräts. Dafür hat eine bestimmte Preisvorstellung. Nun gelangt er auf das neue Gerät, dass im gleichen Preis-Segment liegen wird (ca.) und kann wenigstens wählen, ob er das neuere Gerät kaufen möchte. Ohne Umleitung hätte der Besucher eine 404 Seite gesehen und wäre wahrscheinlich abgesprungen.

zu B)
Der Kapuzen-Pullover „Cat“ aus der Kollektion „Animals“ der Marke „Nike“ ist ausverkauft. „Cat“ hat keinen Nachfolger, jedoch gibt es noch die Modelle „Dog“ und „Kitten“ der gleichen Kollektion. Der Besucher ist mit der Intention auf die Seite gekommen, „Cat“ zu kaufen. In der Kollektion sieht er nun, dass „Cat“ ausverkauft ist, denn das schreiben wir bei einer Seite, die eine Kollektion zeigt zumindest temporär in den Inhalt hinein. Hier hat der Besucher nun die Wahl den „Kitten“ Pullover zu nehmen, der Katzen-Babys zeigt.

Hätte er diese Auswahl nicht gehabt, wäre er oder sie vermutlich abgesprungen. So sendet der Besucher wenigstens noch gute User-Signale an Google.

zu C)
Der Massivholz-Esstisch „Markant“ ist ausverkauft, nicht Teil einer Kollektion und bekommt auch kein Nachfolgemodell. Der Besucher hat jedoch bereits einen Tisch mit spezifischen Merkmalen aufgerufen. Er wollte einen Esstisch haben. Leiten wir Ihn nun also in die Kategorie für Esstische um, hat er die neuerliche Wahl und befindet sich bereits dort, wo er hin soll.

Technische Umsetzung der Umleitung

Die Umleitung sollte, wenn es keine Systeminterne Möglichkeit dafür gibt, via .htaccess erstellt werden. Ich zeige gleich noch, wie man das optimal in Magento erledigen kann, denn dieses Shop-System bietet einen internen Redirect on Bord an.

Schritt für Schritt – gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Öffnen Sie via FTP oder SFTP das Rootverzeichnis Ihrer Installation
  2. Wählen Sie die .htaccess Datei aus (Hinweis: Manche Editoren und Server-Konfigurationen verhindern, dass Sie diese Datei sehen – probieren Sie einfach den Dateinamen zu öffnen, falls Sie sie nicht sehen und auswählen können)
  3. Gehen Sie an das Ende der Datei und fügen eine Leerzeile ein, so dass sich die Umleitungen von etwaigen anderen Einträgen abgrenzen
  4. Fügen Sie folgenden Befehl ein: Redirect permanent (das ist eine 301 Umleitung, also eine permanente Umleitung, die Google ganz klar zeigt, dass dieses Objekt permanent nicht mehr erreichbar ist – das ist wichtig, gleich erfahren Sie warum)
  5. Fügen Sie dahinter (nach dem letzten „t“ von „Permanent“ muss ein Leerzeichen rein) die ALTE-URL ohne Angabe der Domain ein (also so „/samsung-55ue8090.html“) – danach machen Sie erneut ein Leerzeichen
  6. Fügen Sie dahinter die NEUE URL ein und zwar mit der Domain (also so: http://www.domain.de/samsung-55hu8090.html)

Die fertige Umleitung sollte dann so aussehen:

Redirect permanent /samsung-55ue8090.html http://www.domain.de/samsung-55hu8090.html

(Beispiel-Umleitung für ein Folgeprodukt / Nachfolgemodell)

Warum leiten wir per 301 um?

Das ist vergleichsweise einfach erklärt. Zu Beginn habe ich die Voraussetzung genannt, dass Sie sich sicher sind, dass das Produkt nicht mehr wieder kommt. Ergo brauchen wir diese explizite URL nicht mehr. Daher leiten wir sie permanent um. Die Folge dessen ist, dass Google nach einer bestimmten Zeit (das dauert unterschiedlich lange) die URL aus dem Index genommen hat.

Spätestens jetzt kann auch die Umleitung wieder entfernt werden.

Ausnahme: dann sollten Sie die Umleitung drinnen lassen

Wenn Sie erfahrungsgemäß viele direkte Einstiege auf Produktebene haben, sollten Sie die Umleitung tracken um festzustellen, ob viele Einstiege über diese URL geschehen. Kontrollieren Sie das in Ihren Google Analytics Daten (oder eine anderen Tracking-System). Legen Sie dazu ein Event fest, das geht am schnellsten.

Stellen Sie fest, dass nach wie vor sehr viele User diese URL aufrufen, dann lassen Sie die Umleitung bestehen, auch wenn die URL schon aus dem Google Index verschwunden ist.

Erstellen Sie sich dafür einen turnusmäßigen Prüf-Prozess, denn der Betrieb dieses Prozesses ist wichtig, um sofort festzustellen, ab wann die Besuche über die URL einbrechen. Ist ein Minimum von nur ein paar Besuchern erreicht prüfen Sie, wie die Konvertierungsrate dieser Besucher ist. Ist diese trotz geringer Besucherzahlen hoch, bleibt die Umleitung bestehen, bis für einen Zeitraum von mindestens 30 Tagen gar keine Besucher mehr über die URL in den Shop eingestiegen sind. Beachten Sie bei dieser Zeitangabe (30 Tage), dass es sich um eine Empfehlung handelt und nicht mit Ihren Saisonalen Effekten korrespondieren muss. In diesem Fall sollten Sie eigene zeitliche Rahmen schaffen, um sichere Ausschlüsse zu definieren.

Speziell in Magento (Ressourcen schonen)

Wenn Sie für 10.000 Produkte solche Umleitungen in der .htaccess Datei erstellen, kann das Ihren Server schon arg in die Knie zwingen. Bei jeder Anfrage eines Browsers / Useragents wird die gesamte Liste in der .htaccess Datei abgefragt. Das bindet ungemein viele eigene Ressourcen und verschenkt Crawling-Kapazitäten von Google während der Cawlings Ihres Online-Shops, was wiederum ein negativer Rankingfaktor ist.

Wie dem also entgegenwirken?

In manchen Shopsystemen gibt es interne Umleitungen und in fast allen ist es möglich Plugins / Module von Drittanbietern für diesen Zweck einzubinden. Magento hat ein internes System für Umleitungen, dass sich manuell und automatisch beliefern lässt.

Die manuelle Integration von Umleitungen werden wir uns nun in einer Schritt für Schritt Anleitung anschauen:

Schritt 1 – die internen Umleitungen aufrufen
So gelangen Sie zu den internen Umleitungen

Manuelle Umleitungen in Magento finden

Schritt 2 – einen neue Umleitung erstellen
Erstellen Sie eine neue Umleitung

Neue Umleitung in Magento hinzufügen

Schritt 3 – Daten in die Umleitung eintragen
Durch die obige Anleitung wissen Sie jetzt schon welches Ihre ALTE URL und welches Ihre neue URL ist. Diese müssen nun wie folgt eingetragen werden:

  1. Wählen Sie zunächst „Für ein Produkt“

Umleitung für ein Produkt oder eine Kategorie auswählen (hier: Produkt)

Schritt 4 – Ziel auswählen
Sie können in Magento entweder direkt eine Kategorie auswählen oder aber eine NEUE URL eingeben. Sofern Sie eine Kategorie wählen, springen Sie nun zu Schritt 5.

Um Ihre ALTE URL manuell einzugeben, klicken Sie unten auf „Skip Category Selection“:

Schritt in Magento überspringen, damit man die Umleitung manuell eingeben kann

Schritt 5 – Umleitungsart wählen
Alle Einstellungen auf der Folgeseite sind bereits korrekt eingetragen, wenn Sie auf eine Kategorie umleiten wollen. Sofern Sie eine ALTE URL manuell umleiten möchten, tragen Sie bitte die relative URL (also ohne die Domain) nun in das Feld „Zielpfad“ ein. Wählen Sie in dem Dropdown „Umleiten“ einfach „Permanent (301)“ aus.
Pro-Tipp: kopieren Sie sich den Inhalt aus „Anzeigepfad“, denn den können Sie gleich noch gebrauchen!

Umleitungsart wählen

Schritt 6 – Speichern Sie Ihre Arbeit
Damit Ihre Umleitung aktiviert wird, muss diese gespeichert werden. Das geschieht noch auf der gleichen Seite, auf der Sie auch Schritt 5 ausgeführt haben – jetzt wenden Sie Ihren Blick bitte nach rechts oben auf dem Bildschirm.

Umbedingt speichern

Schritt 7 – Testen Sie die Umleitung
So testen Sie, ob Ihre neue Umleitung funktioniert:

  1. Öffnen Sie einen Browser
  2. Gehen Sie auf Ihre Startseite
  3. Klicken Sie in die Adresszeile des Browsers und geben einen abschließenden „/“ hinter der Domain ein
  4. Dahinter fügen Sie per „Paste“ den gespeicherten Inhalt aus dem Feld „Anfragepfad“ ein
  5. Drücken Sie Enter
  6. Sie sollten nun in dem von Ihnen neu definierten Ziel für diese URL landen

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