Fallstudie: Negative-SEO am Kundenbeispiel – Analyse, Strategie & Lösung

Angefangen hat das Ganze eigentlich damit, das erneut ein vollkommen zu Recht mit seinem bisherigen Service-Anbieter unzufriedener Kunde auf uns zugekommen ist und um Hilfe gebeten hat.

Da im Grunde 90% aller Anfragen genau diesen Tenor haben, war das zunächst nichts Besonderes. Wir haben die Standard-Analysen gestartet, um zunächst alle technischen Aspekte abzuklären bevor wir uns an die strategische Neuausrichtung des Projektes machen.

Was jedoch dabei zu Tage gefördert wurde, war erstaunlich!

Wenn Link-Spam zum Einsatz kommt und in Negativ SEO mündet

Es gibt verschiedene Vorgehensweisen, um negative SEO auf Linkprofil-Ebene zu erkennen. Ich zeige Dir heute, wie wir das machen.

Zunächst geht es darum, ein möglichst vollständiges Bild des Linkprofils zu erstellen. Um den besten Überblick aller bestehenden Links zu bekommen, nutzen wir nicht eine explizite Datenquelle, sondern alle, an die wir in einem spezifischen Fall herankommen können. Dazu zählen insbesondere:

Da natürlich etliche links doppelt und dreifach vorhanden sind, kombinieren wir alle Linkquellen in der Auswertung bei den LinkResearchTools von Christoph Cemper. Hier gefallen mir die vorhandenen Algorithmen zur Beurteilung des Linkprofils (div. Footprint Analysen etc.) am besten. Eine Kontrolle von Hand ist dennoch ratsam.

Nachdem alle Links bei LRT im Rahmen eines BLP Reports (BackLinkProfile) zusammengeführt sind, kennen die LinkResearchTools alle Links auch für künftige Reports.

Die Besonderheit hier: Auch die LinkResearchTools selber erstellen bei einem BLP ein komplett neues Abbild aller Links, es werden also auch die eigenen Robots vom Tool noch mal auf die Reise geschickt.

Durch dieses Vorgehen haben wir nun das für uns größtmögliche Maß an Links, die zur Beurteilung herangezogen werden können. Sicherlich gibt es evtl. noch hier und da eine Möglichkeit ein paar zusätzliche Links extra zu finden. Du, als aufmerksamer Leser, hast bestimmt jetzt schon erkannt, dass wenn man so bei allen Prüfvorgängen vorgeht, man auch immer die gleiche Datenqualität hat. Also, dass auch Benchmark-Betrachtungen so auf der identischen Datenbasis ein vergleichbares Ergebnis liefern.

Analyse-Ergebnisse für vimana.eu

Mit diesem ausreichend umfangreichen Backlinkprofil können wir nun also einen DTOX Bericht anfertigen.

Der hatte es wirklich in sich:

Analyse-Ergebnisse für die Domain des Kunden

Mit diesem ausreichend umfangreichen Backlinkprofil können wir nun also einen DTOX Bericht anfertigen.

Der hatte es wirklich in sich:

DTOX-2506-schlecht1

Abfrage ohne Subdomain (also ohne www.)

plus

DTOX-0107-schlecht2

Abfrage mit Subdomain (also mit www.)

Man sieht recht deutlich, wie vergiftet das Linkprofil ist.

Nun ist es so, dass wir an dieser Stelle natürlich noch nicht von einem negative SEO ausgehen konnten und schon gar nicht von einem „ungewollten“ negativ SEO (was an sich schon sensationell ist). Dazu kommen wir gleich und das ist auch echt lustig.

Zeitliche Messungen

Wir haben das Ergebnis im Team besprochen und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir das erst mal ausmisten müssen, um überhaupt den tatsächlichen Restwert erkennen zu können.

Gesagt, getan. Im Rahmen des regulären Prozesses, haben wir viele Webmaster angeschrieben und sie gebeten den Link zu entfernen. Manche, von denen man ausgehen darf, dass die die Links eh nicht entfernen würden (brasilianische High-End-Firmenverzeichnisse), haben wir mal direkt auf die Disavow-Liste gepackt.

Die Ergebnisse haben wir in einem Reporting an den Auftraggeber gegeben, der durch das folgende Bild sehr erleichtert war:

DTOX-1407-besser1-ohne-www

Es vergingen 2 Tage und wir haben das DTOX Boosting angeschmissen, um ein Neueinlesen der entwerteten Links zu provozieren.

Das war das Ergebnis:

Visibility nach erster Bereinigung des Linkprofils

Nach kurzer Zeit jedoch ging es nicht mehr weiter. Trotz guten Contentmarketing-Aktivitäten, sauberen Linkbaits (no Linkwheel) und anderen schicken Aktionen, die das Linkprofil, den Inhalt und die Onlinereputation positiv beeinflusst haben, veränderten sich die Rankings immer negativer. Die Sichtbarkeit viel drastisch ab und machte dann je nach Aktion nur noch kleine Hüpfer …

Visibility ging nach kurzer Zeit des Bereinigens des Linkprofils wieder runter

Also haben wir uns erneut im Team alle Daten angeschaut und festgestellt, dass wir mit alten Daten arbeiten, die wir mal erneuern sollten.

Auch das, gesagt, getan. Wir haben einen neuen DTOX Bericht angefertigt, der dann so aussah:

DTOX-0208-erneut-schlecht1-ohne-www

Nach erneuten Aufräumen dann so:

DTOX-0509-erneut-besser1-mit-www

Und ein paar Tage später wieder so:

DTOX-0509-erneut-schlecht2-mit-www

„wtf???“

SPAM-Identifikation

WOW! – wo kommt denn das auf einmal her. Einige neue Links und immer das gleiche Muster katastrophal-unterirdisch-schlechter Webverzeichnisse (Directorys) aus Südamerika und Co.

Wir haben uns gleich mal die Links aus den LRT Link-Alerts angeschaut und siehe da, es waren reichlich neue Links mit dazu gekommen.

http://directory.theshoppings.com/detail/link‐306290.html
http://www.live‐listings.co.uk/vimana.eu‐13370.html
http://www.premium‐listings.com/vimana.eu‐13813.html

http://www.submiturltodirs.com/vimana.eu‐13093.html
http://www.seo‐express.net/vimana.eu‐13748.html
http://www.webseolinks.co.uk/vimana.eu‐13433.html

http://000‐directory.com.ar/Education/Employment/page‐1.html?s=H
http://linkback.co/vimana.eu
http://www.ns8.biz/detail/link‐124364.html#.UihEvj‐BZ8E

http://linkback.co/vimana.eu
http://www.thewilldirectory.com/detail/link‐54377.html#.UihHET‐BZ8E
http://www.bronzesearchenginedirectory.info/lufthansa‐pilot/ (nach Relaunch erstellt – siehe Screenshot mit Kommentar unten)

Diese haben wir dann einzeln durchgeprüft, um zu checken, wann die entstanden sind. Es ist ja nicht so, dass wir einem Tool, egal welchem, Fehlerfreiheit unterstellen wollen. Manche der Links waren alt und wurden erst nach und nach erkannt. Diese waren aber allesamt ohne Ausnahme einfach Müll. Nicht ein relevanter Link dabei. Manche davon waren aber neu und konnten daher nicht zuvor erkannt werden.

Schau mal hier:

Beweis für Linkspam

Exkurs:Es folgte ein weiterer Relaunch …

Es ist also klar, die sind neu und aus der Zeit, in der wir den Kunden bereits betreut haben. Ein ernster Blick in die Runde beim nächsten Team-Meeting verriet mir ganz klar, dass keiner aus meinem Team dafür verantwortlich war. Das wäre auch wirklich erstaunlich gewesen.

Beratung mit dem Kunden

Ich habe mit dem Kunden telefoniert und gefragt, wer alles zuvor das Linkprofil bearbeitet hat. Bei bestimmten Fällen frage ich das bereits vor Auftragsannahme, nicht aber in diesem Fall.

Es wurden einige Namen genannt, jedoch niemand der üblichen Verdächtigen und auch niemand aus unseren Kreisen. Also bat ich den Kunden mal höflich nachzufragen, ob da jemand evtl. noch ein „Submission-Tool“ laufen lässt.

Natürlich hat das niemand getan und auch niemals benutzt …

Also habe ich mir die Mühe gemacht, das zu prüfen. Leider ohne Ergebnis, denn die Zusammenhänge haben sich an bestimmten Stellen verloren und waren somit nicht schlussendlich nachprüfbar (eigenartiger Weise bekamen wir keine Logfiles der brasilianischen Webkataloge, auch nicht auf erneute Nachfrage …). Schlussendlich war das nicht so wichtig, denn die Lösung war unser eigentliches Ziel.

Handlungsstrang / Neuausrichtung

Die exakt gleichen Prüfverfahren haben wir nach und nach immer wieder laufen lassen und festgestellt, dass die neuen Links immer wieder in verschiedenen Farben auftauchen und auch kein Ende in Sicht ist. Da wir unsere Kunden gern im Rahmen der Rechtskonformität beraten, haben wir nicht zum Gegenschlag ausgeholt, zumal wir auch nicht 100% festlegen konnten, wer der Verantwortliche ist.

Den folgenden Rat erteilen wir sehr, sehr selten. Im Grunde bisher nur diese eine Mal:

„Lieber Kunde, verlasse bitte Deine alte Domain vimana.eu und errichte mit unserer Unterstützung ein komplett neues Asset unter einer anderen Domain.“

Was wäre denn die Alternative gewesen?

  1. Durch verschieden Hacks 100% sicherstellen, wer das verursacht
  2. denjenigen unter Androhung rechtlicher Maßnahmen und Darlegung der erdrückenden Beweise (rechtlich fragwürdig) dazu zwingen das Handeln zu unterlassen

NEIN!

Das haben weder wir, noch der Kunde nötig. Wir haben das wie echte Gentlemen gelöst und eine neue Domain mit wirklich hilfreichen, nicht ganz uneigennützigen Inhalten erstellt und optimiert:

www.vimana-gmbh.de

Schaut man sich hier nun das Linkprofil an, erkennt man recht schnell, dass das im Vergleich zum Wettbewerb das Kleinste ist (dies ist der Fall, den ich im Rahmen der SEO-Campixx 2016 in meinem Vortrag vorgestellt habe).

LRT CLA nach Domain Umstellung

Fazit

Ganz ehrlich? Ich bin auch ein Freund von geeigneten Gegenmaßnahmen. Was aber tun, wenn man nicht eindeutig feststellen kann, wer der verantwortliche Schlingel ist?

Wenn der Link-Spam sehr auf die Domain ausgerichtet ist, wie in diesem Fall und man trotz bester Bemühungen in einer Nische nicht die Qualität im Linkprofil erreicht, sollte man sich einen solchen Schritt mal durch den Kopf gehen lassen. Dekonstruktion hilft hier sehr.

  • Risiko dabei: Wenn das negative SEO jemand mit penetranten Absichten betreibt, wird das auch nach dem Wechsel der Domain nicht aufhören.
  • Vorteil dabei: Wenn man den Domainwechsel vollzogen hat, lässt sich derjenige wesentlich einfacher identifizieren 😉

So, nun noch ein Wort zum Titel „ungewolltes“ negative SEO (via Link-Spam):
Ich glaube den befragten Agenturen, dass sie das nicht waren. Ich glaube aber auch, dass sie nicht so richtig wissen, was gemeint war und aus deren Sicht dieses Vorgehen evtl. nicht als Spam verstanden wird. Deshalb, als Gentlemen „ungewolltes“ negative SEO!

Exkurs:

Diese Fallstudie habe ich im Jahr 2014 erstellt und aktuell überarbeitet. Durch die getroffenen Maßnahmen ist der Kunde noch heute, lange nach der Bearbeitung und ohne weitere Optimierungen, in seiner Nische nahezu ungeschlagen und dominiert mit den Zielthemen die Suchdienste.

Nachtrag: Betrachtung des Sichtbarkeitverlauf im Vergleich mit den Hauptwettbewerbern

nachtrag-zur-wirksamkeit_sichtbarkeitsverlauf-der-neuen-domain-im-vergleich-zum-wettbewerb

Wie man sehen kann, war die Entscheidung genau richtig.

Konntest Du aus der Fallstudie etwas mitnehmen? Teilen macht freude und hilft uns auch 😉

Super cool! Schau bald wieder rein.

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Ich beschäftige mich seit Ende der 90'er Jahre mit Suchmaschinenfunktionen. Zunächst war das eher einfach (Anmeldung bei Altavista & Fireball plus richtiger Titel = Ranking). Nachdem ich als SEO-Berater unter Anderem bei einer Microsoft Tochter-Gesellschaft arbeitete, machte ich mich 2004 selbstständig. Seit 2014 arbeite ich als (Head of Search) bei der Blurithmics Unternehmergesellschaft.

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